Sir Robert Baden-Powell

Gründer der Weltpfadfinderbewegung

Robert Baden-Powell

Im Jahr 1907 ruderte Robert Baden-Powell mit 21 Jungen zur Insel Brownsea Island. Es war eine bunt gemischte Gruppe aus Jugendlichen aller Herkunftsschichten: vom Arbeiter bis zum adligen Spross. Baden-Powell teilte sie in kleine Gruppen ein, in denen jeder Verantwortung übernehmen musste. Sie schliefen im Zelt, lernten in der Natur zu leben und saßen abends am Lagerfeuer. Es war das erste Pfadfinderlager.

Scouting for Boys

Seine Erfahrungen im Umgang mit Jugendlichen fasste Baden-Powell – oder B.P. – kurz darauf in seinem Buch „Scouting for Boys“ zusammen. Es wurde eine Anleitung für Heranwachsende, wie sie sich ritterlich verhalten sollten, als „Freunde aller Menschen“ und „der Tiere“, wie sie mit der Natur im Einklang und als gute Staatsbürger leben sollten. Die Jugendlichen sogen die Mischung aus Moralappell und Abenteuerroman begeistert auf. 1909 hatte sich die Idee bereits zwischen Deutschland und Chile verbreitet, 1920 gab es Pfadfinder in 27 Ländern – und zum Weltpfadfindertreffen zum 100. Geburtstag der Bewegung trafen sich Pfadfinder aus 158 Ländern in England. „Scouting for Boys“ rangiert mit über 150 Millionen Exemplaren unter den meistgedruckten Büchern der Welt.

Wurzeln im Militär

Doch wie kam ein 50-jähriger Engländer auf die Idee eine Jugendbewegung zu begründen? Robert Baden-Powell hatte eine beeindruckende militärische Karriere hinter sich: Im Burenkrieg war er nach der Schlacht von Mafeking zum jüngsten Generalmajor der britischen Streitkräfte befördert worden. Er hatte das südafrikanische Fort gegen eine Übermacht verteidigt – auch mit der Hilfe von Jugendlichen als militärische Hilfskräfte. Wenn manche Autoren es so darstellen, als hätte Baden-Powell die Stadt „nicht mit Gewalt, sondern mit List“ verteidigt, so steht doch unzweifelhaft fest: Der Gründer der Pfadfinderbewegung war ein General im Dienste des Kolonialismus, welchen wir heute als menschenverachtende Ideologie sehen. Während er in Mafeking zum Kriegsheld wurde, avancierte sein Ausbildungswerk „Aids for Scouting“ in England zum Bestseller unter Jugendlichen.

Davon muss wohl auch Baden-Powell schockiert gewesen sein. Dass ein Großteil der Jugend von einem militärischen Drill-Kodex beeinflusst werden sollte, schien auch ihm Unbehangen zu bereiten. So entschloss er sich das zivile „Scouting for Boys“ zu veröffentlichen und legte den Pfadfindern ans Herz „Friedenspfadfinder“ zu werden.

Was bleibt?

Darf sich die Pfadfinderbewegung ihren Gründer nun zum Vorbild, ja zum Idol wählen? Sollen wir seine pädagogischen Ideen – Learning by Doing, Verantwortung in Kleingruppen, Gesetz und Versprechen – wegen ihrer Vorgeschichte ablehnen?
Für ein äußerst ungutes Gefühl in der Magengegend sorgen bei Pfadfindern außerdem die Kontakte BPs zu Vertretern der nationalsozialistischen Jugendbewegung. Eine sehr bemerkenswerte und differenzierte Auseinandersetzung findet ihr dazu auf der Seite der DPSG Scheuburg, auf die wir bei unseren Links verweisen.

Eine kritikfreie Verklärung des Generals aus Gilwell ist wohl nicht möglich. Innerhalb der Siedlung Johannes Gutenberg sorgt das Leben, die Person und das Vermächtnis BPs für eine kontroverse Diskussion – wie auch bei vielen anderen Gruppen und Verbänden.
Für uns bleibt ungetrübt ein Satz von BP:


„Vergesst auch nicht, dass der Pfadfinder nicht nur ein Freund der Mitmenschen seiner engsten Umgebung ist, sondern „ein Freund zu allen Menschen auf der Welt“. Freunde bekämpfen einander nicht. Wenn wir mit unseren Nachbarn in fremden Ländern und Übersee Freundschaft schließen und wenn sie unsere Freundschaft erwidern, so werden wir nicht das Verlangen haben, gegen sie zu kämpfen. Das ist bei Weitem die beste Methode, um künftige Kriege zu verhindern und einen dauerhaften Frieden zu sichern.“

BiPi war ein Kind seiner Zeit und hat die Welt so erlebt und verstanden wie viele damals – wir kritisieren und verurteilen heute manche dieser Sichtweisen. Er hatte eine gute Idee in einer miesen Zeit. Es liegt an uns, wie wir die Idee für uns persönlich mit Leben füllen und vorleben können.

 

„Versucht die Welt ein bisschen besser zurückzulassen als ihr sie vorgefunden habt.“

 

Die Zitate von BP sind der deutschen Übersetzung von Scouting for Boys, Pfadfinden,in der dritten Ausgabe von 1996 des Georgs-Verlags entnommen. Die biographischen Details entstammen dem Großen Pfadfinderbuch von Walter Hansen, zweite Auflage 1996 bei Ueberreuter.